aktuelle Ausstellung im Lötzener Heimatmuseum
 

“Versunkene Welt Ostpreßens”
 
Das Lötzener Heimatmuseum zeigt in seiner Patenstadt Neumünster:
Eduard Bischoff und seine Holzschnittfolgen “Ostpreußen”

 

Ausstellungseröffnung am 18. März 2017 um 15.30 Uhr
Adresse: Sudetenlandstr. 18 H (Böcklersiedlung) in 24537 Neumünster
Begrüßung: Ute Eichler
Einführungsvortrag: Dr. Jörn Barfod , Musikalische Umrahmung mit festlicher Flötenmusik.
Ausstellungsdauer: bis einschließlich Sonntag, den 15. Juli 2017
In Zusammenarbeit mit dem Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg.
Öffnungstage (jeweils in Verbindung mit einem Veranstaltungsangebot):
18. März, 22. April, 20. Mai, 16. Juni, 17. Juli
und – fast jederzeit – nach telefonischer Absprache unter 040 608 30 03.

Ausstellungsinhalte:
Der Maler und Grafiker Eduard Bischoff (1890 - 1974), Schüler und von 1936 bis 1945 Lehrer der Königsberger Kunstakademie, gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg in der alten Bundesrepublik zu den führenden Künstlern, die die Tradition der ostpreußischen Kunst fortsetzten.
Wie alle seine Berufsgenossen aus den Ostgebieten hatte er fast sein ganzes vor 1945 geschaffenes Werk eingebüßt, dazu seine Heimat und alle Verbindungen, auf die ein Künstler, der vom Verkauf seiner Arbeiten leben muß, besonders angewiesen ist. Einerseits mußte er sich mit modernen Stilrichtungen auseinandersetzen, wieder Fuß fassen, neue Verbindungen anknüpfen oder alte wiederfinden. Gleichzeitig verarbeitete er seine Erinnerungen und gestaltete frühere Motive in neuem Stil.
In drei Folgen großer Holzschnitte mit dem thematischen Titel „Ostpreußen“ zog er zwischen 1956 und 1965 Bilanz seines Kunstschaffens in ostpreußischen Motiven. Diese trafen vielfach die Erinnerungen der ostpreußischen Erlebnisgeneration. Er zeigte Bilder aus dem Land, das die meisten von ihnen so oder so ähnlich in ihrem Herzen hatten.
Da war vor allem die Landschaft mit Bauern und Fischern, mit Pferden und Elchen. Mit diesen Motiven verband Bischoff die Thematiken Jugend und Alter, Wachsen und Vergehen, Saat und Ernte sowie die traumatischen Erlebnisse von Flucht und Heimatverlust. Das dabei längst nicht alles rückwärtsgewandt war, zeigt die Tatsache, dass der Künstler eine Technik einsetzte, die er vor 1945 nicht genutzt hatte. Der Holzschnitt war für ihn ein künstlerisch neuer Weg. Das Erinnerte sollte in einem Stil der neuen Zeit ausgedrückt werden.
Im Begleittext zur ersten Holzschnittfolge schrieb Willi Drost, letzter Museumsdirektor in Danzig vor 1945,
etwa 1960 u.a.:

„Während der Zeit von 1952 bis 1960 führte Eduard Bischoff zehn ungewöhnlich umfangreiche Holzschnitte aus, die Ostpreußen darstellen, wie es im Herzen des Künstlers weiterlebt und sich im Laufe von fünfzehn Jahren im Exil zu Vorstellungen von symbolischer Kraft verdichtet hat …
Kein gewolltes, sondern langsam gewordenes Bekenntnis liegt hier vor. Das macht die Blätter so wertvoll, dass der Künstler mit ihnen zugleich ein Fazit seines Strebens und Könnens niedergelegt hat. Er war 66 Jahre alt, als er die ersten Holzstöcke dazu schnitt. Doch reichen die Wurzeln weit zurück. Eindrücke aus dem Beginn seines Schaffens wirkten nach, Skizzen aus den Jahren 1926 bis 1945 von der Kurischen Nehrung, Masuren, Trakehnen, schließlich die Flucht aus der Heimat, wurden benutzt …
Sämtliche Holzschnitte stehen im Zeichen dieser Auseinandersetzung: auf der einen Seite überzeugender Wirklichkeitsgehalt, auf der anderen Vereinfachung der Konturen und Drücken des Gegenständlichen in die Fläche bis zur groß-dekorativen Wirkung. … Einige Blätter verwenden nur die Schwarzplatte. Auf den anderen besorgte der Künstler eigenhändig die farbigen Unterdrucke und ließ den zünftigen Drucker nur die Schwarzplatte darüber legen. …
Erarbeitet, langsam ausgereift, wobei das vom Künstler einst leidenschaftlich gepackte Naturvorbild zur klaren und großen inneren Vorstellung geworden ist, sind diese Holzschnitte wert, dass unser liebevolles Gedenken an die verlorene Provinz mit ihnen verschmilzt.“

Der Künstler ließ der ersten Holzschnittfolge „Ostpreußen“ noch zwei weitere zu ebenfalls je zehn Motiven folgen und schloß die Arbeit 1965 ab. Das Werk fand nicht nur in Ostpreußenkreisen lebhaften Anklang. Die Nachfrage war schließlich so groß, dass es sich auch noch lohnte, Kunstpostkarten nach allen Blättern aufzulegen.
Eduard Bischoff fand als Kommentar zu seinem Holzschnittzyklus „Ostpreußen“ folgende Zeilen des Schweizerischen Dichters Conrad Ferdinand Meyer:

„Was kann ich für die Heimat tun,
bevor ich geh im Grave ruhn?
Was geb’ ich, das dem Tod entflieht?
Vielleicht ein Wort, vielleicht ein Lied,
ein kleines stilles Leuchten!“

Und Eduard Bischoff schrieb dazu: „Nehmen wir an, dass die Holzschnitte das kleine, stille Leuchten bedeuten.“
                                                                                              Dr. Jörn Barfod, Ostpreußisches Landesmuseum in Lüneburg

Kurzbiographie Eduard Bischoff
Geboren 25.01.1890 in Königsberg/Preußen, verstorben 4.01.1974 in Soest.
Vier Jahre Ausbildung im Lehrfach in Hohenstein und Pr. Eylau.
1908 – 1910 Seereisen in den Orient und an die Levanteküste.
1910 – 1914 Studium an der Kunstakademie Königsberg unter den Professoren L. Dettmann, H. Wolff und R. Pfeiffer.
1914 – 1918 Soldat in Ostpreußen, Galizien und Frankreich.
1924 Begegnung mit Lovis Corinth.
B. lebte als freischaffender Maler bis 1935. Mehrere Studienfahrten durch Europa: Schweden, Norwegen, Frankreich, Spanien, Italien und den Balkan bis Griechenland. 1934 Erster Preisträger für die Ausgestaltung des Auditorium Maximum der Handelshochschule in Königsberg. Ferner schuf er die Wandmalereien und Sgrafitti im Stauerhaus im Königsberger Hafen und Wandmalereien in der Stadthalle Insterburg. 1936 Berufung als Professor an die Kunstakademie Könisgberg, Leiter der Klasse für figürliches Zeichnen und Malen. 1939 wieder Wehrdienst. 1945 Flucht nach Mecklenburg, danach drei Jahre in der Lüneburger Heide, freischaffend tätig. 1948 Übersiedlung nach Gelsenkirchen, in die „Künstlersiedlung Halfmannshof“. 1952 und 1953 Studienreisen nach Westafrika, Liberia und dem Kongo, in dieser Zeit entstanden 200 Aquarelle. 1954 Erster Preisträger im Wettbewerb für den Entwurf von Glasschliff-Fenstern für das Rathaus Gelsenkirchen-Buer. Weitere Glasfenster für Kirchen im Ruhrgebiet. Mosaik- und Ton-Arbeiten, Wandmalereien, Teppich- und Kunstschmiede-Entwürfe, für Landes- und undesbehörden, gelegentlich auch Bildhauerarbeiten (in Königsberg Ehrenmal für die Gefallenen von 1914 – 1918 in der Sackheimer Kirche). Studienreisen in die Schweiz, nach Holland, Norwegen, Italien und Griechenland. 1959 Ostdeutscher Kulturpreis in Berlin. 1960 Kunstpreis der Stadt Gelsenkirchen. 1962 Umzug nach Soest/Westfalen. 1970 Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. – Ausstellungen in deutschen und europäischen Städten; in Chicago, Los Angeles, Caracas, Colombo. Stetige Wiederkehr ostpreußischer Motive und Landschaften im Werk, das vor allem Tafelmalerei, Wandmosaik, Glasmalerei und Grafik umschließt. – Gemälde von E.B. im Danziger Stadtmuseum und in den Kunstsammlungen der Stadt Königsberg. Neuere Arbeiten erwarben die Städte Gelsenkirchen und Duisburg, das Kultusministerium von Nordrhein-Westfalen und das Landesmuseum in Münster. Glasfenster befinden sich in den Kirche Gelsenkirchen-Bismarck-West, Wattenscheid-Günnigfeld und in der St. Georg-Kirche in Hattingen/Ruhr. Ein Wandmosaik wurde nach B.’s Entwurf für die Landeszentralbank in Gelsenkirchen ausgeführt. Eine seiner letzten Arbeiten ist ein Zyklus von großformatigen Holzschnitten mit Motiven aus Ostpreußen.
(zitiert aus: „Kunstakademie Königsberg 1845-1945“, Prussia-Gesellschaft Duisburg, Ostdeutsche Galerie Regensburg (Hrsg.), 1983, S. 65)