Aktuelle Themen rund um die Kreisgemeinschaft Lötzen

 

Thema #1: Ausstellung “Masuren - Land der Stille” eröffnet

Thema #2: Carl Knauf im Lötzener Museum

Thema #3: Versunkene Welt Ostpreußens - Ausstellung

Thema #4: Burgen des deutschen Ordens in Deutschland und Europa

Thema #5: Bücher aus 100 Jahren

Thema #6: Masuren - Weite und Heimlichkeit - Werke ostpreußischer Künstler im Lötzener Museum

 

Thema #1: Draußen Dauerregen, drinnen Sonnenschein - Ausstellung „Masuren – Land der Stille“ eröffnet

Ein wenig Bangen war vorhanden: Eine Stunde vor der angekündigten Ausstellungseröffnung waren in dem schönen Ausstellungsraum der Kreisgemeinschaft Lötzen e. V. in Neumünster erst fünf Menschen. Der Dauerregen wollte an diesem Sonnabend, den 16. März, nicht enden. Wenigstens der Sturm hatte sich gelegt.
Pünktlich  - und wie abgesprochen – trafen aus Berlin Hans-Jürgen Gaudeck, der Maler der ausdrucksstarken Aquarelle, und seine Frau Helga ein. Sein schönes Buch „Masuren – Land der Stille“ (erschienen im Steffen Verlag, Berlin 2016) lag in etlichen Exemplaren zum Verkauf und zum Signieren bereit. Es enthält weitaus mehr als die hier in der Ausstellung gezeigten 22 großformatigen Werke. Dazu ist die Zusammenstellung von eigenen Texten und zu den Motiven der Bilder passenden Zitaten ostpreußischer Schriftsteller von eigenem Reiz.
Und dann kamen sie: Die Getreuen, die sich seit fast einem Dutzend Jahren keine Veranstaltung im Lötzener Heimatmuseum entgehen lassen, die Wiederkehrer, die diese Einrichtung irgendwann entdeckt haben und an den Angeboten teilnehmen, wann immer es ihnen möglich ist, die Gelegentlichen, die sich herauspicken, was sie besonders interessiert und die Neulinge, die durch die Veröffentlichungen und Hinweise in der Presse im Vorfeld neugierig gemacht worden waren und sich erstmals auf den Weg in die Sudetenlandstraße gemacht hatten.
32 Besucher füllten den Raum mit ihren Erwartungen. Ute Eichler, die für das Lötzener Archiv und Heimatsammlung verantwortliche Betreuerin, begrüßte alle und sprach zu Beginn über das Zustandekommen dieser Ausstellung. Sie ist – wieder einmal – ein Ergebnis der seit vielen Jahren gewachsenen und gepflegten Beziehungen zum Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg. Hier sind vor allem Agata Kern, Kulturreferentin für Ostpreußen, und Jörn Barfod, Kustos der Sammlung, zu nennen. Sie vermittelten den Kontakt zu Hans-Jürgen Gaudeck und durch ihre Mithilfe (und die Arbeit von Sven Zorn) waren rechtzeitig im Vorfeld Plakate und Faltblätter, um für die Ausstellung und die sie begleitenden Veranstaltungen zu werben, vorhanden.
Hans-Jürgen Gaudeck wurde gebeten, sich selbst vorzustellen. Er wies auf seine ostpreußischen Vorfahren hin und erklärte, weshalb er erst in 2015 einen mehrwöchigen Aufenthalt in Masuren verwirklichen konnte. Besonders interessant war für die Zuhörer zu erfahren, dass wirklich alle Aquarelle direkt vor Ort (und nicht etwa im Nachhinein nach Fotografien) entstehen. Er erklärte, dass er sich nicht auf die Suche nach Motiven begebe, sondern sich ganz der Inspiration des Augenblicks, der Zufallsentdeckung oder einer besonderen Licht- oder Wolkenstimmung hingebe. Staunen löste sein kleiner, mit 14 Farben ausgestatteter Tuschkasten aus, den er immer in der Jackentasche dabei habe. So brauche er nur noch Papier und Wasser gebe es ja überall …
Für Heiterkeit sorgte Ute Eichler mit dem von ihr vorgetragenen Text „Masurenfahrt“ aus Robert Budzinskis „Entdeckung Ostpreußens“. Zuvor hatte sie auf das im Bestand der Lötzener Heimatsammlung vorhandene Standardwerk von Dr. Heß von Wichdorff „Masuren – Skizzen und Bilder von Land und Leuten“ aus dem Jahr 1915 hingewiesen.
Einige der Besucher äußerten mit ihren Fragen ein weit über die Motive der ausgestellten Bilder hinausgehendes Interesse an Masuren. Sie wollten etwas über die heutigen Lebensverhältnisse hören, einen Vergleich der Vergangenheit mit der Gegenwart. Anderen kamen Erinnerungen, wie z. B. der 1931 in Königsberg geborenen Waltraut Zellmer.
Wie sehr die ausgestellten Werke auf die Besucher wirkten, machen die Kommentare einiger Teilnehmer dieser Nachmittagsveranstaltung deutlich. So stellte das Ehepaar Gisela und Siegfried Rummey fest: „… eine bezaubernde Ausstellung“, und der Lehrer Wolfgang Schnack schrieb begeistert in das Gästebuch: „ … eine großartige Veranstaltung, wunderbare Bilder und Stimmungen …“ Der neue Stadtteilbeauftragte für die Böcklersiedlung, Erhard Christian Schättiger, gab diesen Kommentar: „Eine wunderschöne Ausstellung, die neben der Strahlkraft der Bilder auch durch die Ausführungen des Künstlers das „Land der Stille“ erlebbar macht.“ Gisela Duske, Neumünster, schrieb: „Danke für die wunderschönen Bilder. Haben mich mutig gemacht, malen zu versuchen und vor allem die alte Heimat meiner Mutter zu erkunden.“ Ein anderer Eintrag lautete: „Maria Lore freut sich über Erzählungen, hervorragend vorgetragene Texte, schöne Bilder und eine gebürtige Lötzenerin. Großes Lob!“ – Ja, die „gebürtige Lötzenerin“ war eine der Überraschungen dieses Tages. Die zehn Jahre nach Kriegsende in Gizycko (Lötzen) geborene, seit 28 Jahren in Schleswig-Holstein lebende Irena hatte endlich dieses Stückchen ihrer Heimat entdeckt und schrieb: „Herzlichen Dank für den schönen Nachmittag. Bin zum ersten Mal hier und bin sehr überrascht. Wundervolle Menschen und liebe Gespräche …“ Vielleicht kann für alle, die aus der Patenstadt der Kreisgemeinschaft Lötzen und der Umgebung Neumünsters gekommen waren und für die, die weitere Wege zurückgelegt hatten (aus Hamburg, Bordesholm, Westensee z. B.) gelten, was das Ehepaar Dahms äußerte: „Es war sehr schön, bei Ihnen zu Gast sein zu dürfen. Ein schöner Nachmittag mit interessanten Begegnungen.“ – Der Dauerregen war vergessen. Im Ausstellungsraum herrschte Sonnenschein. „Masuren – Land der Stille“ hatte jeden Besucher in seinen Bann gezogen.
                                                                                                                                                                                    Ute Eichler

Die Ausstellung „Masuren – Land der Stille“ (alle Werke sind verkäuflich) - ist zu sehen bis einschließlich 20. Juli 2019, fast jederzeit nach Absprache mit Ute Eichler (040 – 608 30 03) oder an den Veranstaltungstagen 27. April, 18. Mai, 15. Juni, 20. Juli ab 10 Uhr.

 

Thema # 2:
Carl Knauf im Lötzener Museum

Mutig haben die Macher der Ausstellung sie „Carl Knauf – ein unvergessener Maler der Künstlerkolonie Nidden“ genannt. Ihn als einen beinah vergessenen Maler zu bezeichnen  würde es – das haben die Gespräche mit den Besuchern der Ausstellungseröffnung am 24. März ergeben – eher treffen. Doch gegen das Vergessen läßt sich etwas tun.
Neunzehn Arbeiten des Künstlers Knauf, überwiegend im „Kofferformat“, sind nun für fast vier Monate im schönen Ausstellungsraum der Kreisgemeinschaft Lötzen in ihrer Patenstadt Neumünster zu sehen. Neben den Ölgemälden, die überwiegend Motive der Kurischen Nehrung zeigen, hängt ein Aquarell, das eine Szenerie der Stadt Memel abbildet. Alle hier gezeigten Werke sind vor Ort in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden.
Knauf, der kein Ostpreuße war, sondern aus Godesberg kam, hatte Ostpreußen, vor allem Königsberg und dann die Kurische Nehrung für sich im und nach dem Ersten Weltkrieg entdeckt. Sein Lieblingsort wurde Nidden. Auch wenn er sich der Geselligkeit der Künstlerkollegen verschloß, die dieses Fischerdorf und mehrheitlich auch gern das Gasthaus Blode dort besuchten – er gehörte zu den wenigen, die sich in Nidden ein Haus bauen ließen. Sein 1931 bezogenes schönes Holzhaus ist heute noch vorhanden, gar nicht weit vom Thomas-Mann-Haus steht es. Sein Grab auf dem Niddener Fischerfriedhof ist seit drei Jahren wieder mit einem Holzkreuz gekennzeichnet. Knauf war 1944 im Alter von nur 50 Jahren in Nidden verstorben.
War er als Mensch ein Einzelgänger, so ist auch das von ihm geschaffene Werk keiner Strömung anderer der Künstlerkolonie Nidden zuzurechnenden Maler zu vergleichen. Er pflegte einen „eigenen“ Realismus. Das, was von seinem Werk erhalten geblieben ist, spricht heute nicht nur durch die Motive, sondern auch wegen der verwendeten Farben an. Farbe und Form stehen in jedem seiner Bilder in Harmonie.
Alle jetzt in Neumünster gezeigten Werke sind Leihgaben aus Privatbesitz. Dr. Bernd Schimpke, Hamburg, hat Anfang der 1990er Jahre die Kurische Nehrung für sich entdeckt und fast gleichzeitig – welch glücklicher Zufall – die ersten zwei Gemälde von Knauf, die in Memel (Klaipeda) angeboten wurden. Dank Schimpkes Sammlertätigkeit ist jetzt ein Bestand an Knauf-Werken zusammengekommen, der ermöglicht, den Künstler und sein Werk in das Bewußtsein einer in der Regel an Nidden und der Kurischen Nehrung als Landschaft voller Besonderheiten interessierten Öffentlichkeit zu holen. Ab Ende April 2018 wird die zweite Hälfte der Knauf-Gemälde aus der Sammlung Schimpke im Heimatmuseum Eckernförde gezeigt werden.
Zur gut besuchten Ausstellungseröffnung in Neumünster sprach Dr. Jörn Barfod, Ostpreußisches Landesmuseum Lüneburg, über das Schaffen des Carl Knauf und dessen Einordnung in die Künstlerkolonie Nidden.
Bernd Schimpke gab Auskünfte, wie es ihm gelungen ist, nicht nur Werken des Künstlers Knauf auf die Spur zu kommen, sondern auch, auf welche Weise er Informationen von Zeitzeugen über das zurückgezogene Leben des Malers erhielt. Noch leben einige wenige Menschen, die Knauf kannten. Bis heute aber gibt es kein Foto, das uns eine Vorstellung vermitteln könnte, wie Knauf aussah.
Bernd Schimpkes zweites Buch „Künstlerkolonie Nidden – eine Landschaft voll Licht und Farbe“ ist schon allein durch die große Zahl von Abbildungen ein prachtvolles, auch inhaltlich reiches Werk geworden. Die Besucher der Ausstellung können auf diese Weise alle gezeigten Bilder und darüber hinaus viele Informationen mit nach Hause nehmen.
Nebenbei: Die Altersspannbreite der Besucher am Eröffnungstag betrug 85(!) Jahre. Wenn das nicht hoffen läßt, dass Carl Knauf doch noch „ein unvergessener Maler der Künstlerkolonie Nidden“ wird?!
                                                                                                                                                                         Ute Eichler

Thema #3:
Ausstellung - Versunkene Welt Ostpreußens - Eduard Bischoff und seine Holzschnittfolgen “Ostpreußen”

Der Maler und Grafiker Eduard Bischoff (1890 - 1974), Schüler und von 1936 bis 1945 Lehrer der Königsberger Kunstakademie, gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg in der alten Bundesrepublik zu den führenden Künstlern, die die Tradition der ostpreußischen Kunst fortsetzten.
Wie alle seine Berufsgenossen aus den Ostgebieten hatte er fast sein ganzes vor 1945 geschaffenes Werk eingebüßt, dazu seine Heimat und alle Verbindungen, auf die ein Künstler, der vom Verkauf seiner Arbeiten leben muß, besonders angewiesen ist. Einerseits mußte er sich mit modernen Stilrichtungen auseinandersetzen, wieder Fuß fassen, neue Verbindungen anknüpfen oder alte wiederfinden. Gleichzeitig verarbeitete er seine Erinnerungen und gestaltete frühere Motive in neuem Stil.
In drei Folgen großer Holzschnitte mit dem thematischen Titel „Ostpreußen“ zog er zwischen 1956 und 1965 Bilanz seines Kunstschaffens in ostpreußischen Motiven. Diese trafen vielfach die Erinnerungen der ostpreußischen Erlebnisgeneration. Er zeigte Bilder aus dem Land, das die meisten von ihnen so oder so ähnlich in ihrem Herzen hatten.
Da war vor allem die Landschaft mit Bauern und Fischern, mit Pferden und Elchen. Mit diesen Motiven verband Bischoff die Thematiken Jugend und Alter, Wachsen und Vergehen, Saat und Ernte sowie die traumatischen Erlebnisse von Flucht und Heimatverlust. Das dabei längst nicht alles rückwärtsgewandt war, zeigt die Tatsache, dass der Künstler eine Technik einsetzte, die er vor 1945 nicht genutzt hatte. Der Holzschnitt war für ihn ein künstlerisch neuer Weg. Das Erinnerte sollte in einem Stil der neuen Zeit ausgedrückt werden.
Im Begleittext zur ersten Holzschnittfolge schrieb Willi Drost, letzter Museumsdirektor in Danzig vor 1945, etwa 1960 u.a.„Während der Zeit von 1952 bis 1960 führte Eduard Bischoff zehn ungewöhnlich umfangreiche Holzschnitte aus, die Ostpreußen darstellen, wie es im Herzen des Künstlers weiterlebt und sich im Laufe von fünfzehn Jahren im Exil zu Vorstellungen von symbolischer Kraft verdichtet hat …
Kein gewolltes, sondern langsam gewordenes Bekenntnis liegt hier vor. Das macht die Blätter so wertvoll, dass der Künstler mit ihnen zugleich ein Fazit seines Strebens und Könnens niedergelegt hat. Er war 66 Jahre alt, als er die ersten Holzstöcke dazu schnitt. Doch reichen die Wurzeln weit zurück. Eindrücke aus dem Beginn seines Schaffens wirkten nach, Skizzen aus den Jahren 1926 bis 1945 von der Kurischen Nehrung, Masuren, Trakehnen, schließlich die Flucht aus der Heimat, wurden benutzt …
Sämtliche Holzschnitte stehen im Zeichen dieser Auseinandersetzung: auf der einen Seite überzeugender Wirklichkeitsgehalt, auf der anderen Vereinfachung der Konturen und Drücken des Gegenständlichen in die Fläche bis zur groß-dekorativen Wirkung. … Einige Blätter verwenden nur die Schwarzplatte. Auf den anderen besorgte der Künstler eigenhändig die farbigen Unterdrucke und ließ den zünftigen Drucker nur die Schwarzplatte darüber legen.
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Thema #4:
Unter dem Titel „Auf den Spuren des Deutschen Ordens in Deutschland und Europa“ gab es eine thematisch ähnliche Ausstellung in 2014 im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen/Bayern zu sehen. In Neumünster nun, im Ausstellungsraum des Heimatmuseums der Kreisgemeinschaft Lötzen, werden aus der großen Bilderserie, die Reinhard Bergmann zu dieser Thematik geschaffen hat, 30 Gemälde gezeigt, die Burgenbauten des Deutschen Ordens darstellen.

Wer ist der Künstler, der mit seinen Werken nicht nur einen Bestandteil der deutschen Geschichte veranschaulicht, sondern damit auch architektonische Besonderheiten der Stilepochen der Romanik und Gotik, der Renaissance und des Barock?
Reinhard Bergmann wurde 1950 in Warnemünde geboren. Nach Schulabschluß, einer Ausbildung im Maler- und Lackiererhandwerk und Wehrdienst, war er einige Jahre Leiter der Zentralen Ausbildungsstätte für Schrift und dekorative Gestaltung des Bezirkes Rostock. Seine Lehrer auf künstlerischem Gebiet waren u. a. Prof. Armin Münch, Rostock, und Prof. Armin Buggel, Heiligendamm. Reinhard Bergmann lebt seit 1987 in Weißenfels. Ab 1990 übernahm er Lehraufträge in Stilkunde, Farbenlehre und Gestaltung, seit 2008 widmet er sich ausschließlich seiner bildkünstlerischen Arbeit, bevorzugt zu historischen Themen.
Die Idee für die Ausstellungsserie „Architektur der Ritterorden“ kam Reinhard Bergmann auf einer Israel-Reise im Herbst 2011. So entstanden Gemälde, die die Gründungsstätten der geistlichen Orden in Jerusalem zeigen. Zusammen mit den bereits im Fundus des Künstlers vorhandenen Werken umfaßt die Motiv-Zusammenstellung jetzt über 400 Einzelbilder, die noch erhaltene Burgen, Schlösser, Kirchen, Kapellen, Komtureien und Ordenssitze der drei größten geistlichen Ritterorden des Mittelalters darstellen – die der Templer, der Johanniter und des Deutschen Ordens. Reinhard Bergmann war in den vergangenen Jahren so produktiv, dass alle drei Orden als separate Präsentation gezeigt werden können.
Für ein ostpreußisches Heimatmuseum wie das der Lötzener in ihrer Patenstadt Neumünster ist es glücklichen Umständen zu verdanken, eine Auswahl von „Burgen des Deutschen Ordens“ ausstellen zu können. Der Schwerpunkt dieser Zusammenstellung liegt auf jenen Bauwerken, die auf den Territorien Pommerns und West- und Ostpreußen entstanden. So wird großformatig die Marienburg zu sehen sein, werden z. B. Frauenburg, Heilsberg, Liebemühl gezeigt, Burg Rehden und Burg Gollub, die Neidenburg und  - extra für diese Ausstellung gemalt – das „Lötzener Schloß“.
Zur Ausstellungseröffnung am 20. August (15.30 Uhr) wird der Künstler anwesend sein. Einen Kurzvortrag zur Geschichte des Deutschen Ordens hält Dr. Manuel Ruoff, Historiker, aus Hamburg. Weshalb sich Reinhard Bergmann den Beinamen „der Orangemaler“ gegeben hat, wird sich den Besuchern rasch von selbst erschließen. Der Künstler steht am Tag der Ausstellungseröffnung jedoch für Fragen und zum Gespräch zur Verfügung.
Seine Werke sind in Neumünster bis einschließlich 20. November 2016 zu sehen. Zur Ausstellung gibt es ein Faltblatt, ebenfalls ist eine Broschüre mit Gemälde-Abbildungen Reinhard Bergmanns erhältlich.
                                                                                                                                                                                 Ute Eichler

Thema #5:

Bücher aus 100 Jahren

Das siebte Jahr in Folge bietet das Lötzener Heimatmuseum in der Patenstadt Neumünster einen Buchmarkt unter der Bezeichnung „Bücher aus 100 Jahren“ an. Wenn sich in der Sudetenlandstraße 18 H (Böcklersiedlung) am dritten Sonnabend im Monat Juli um 10 Uhr die Türen öffnen, werden Bücherfreunde wieder voll auf ihre Kosten kommen. Fleißig ist von den Betreuern des Lötzener  Archivs und Heimatmuseums in den vergangenen Monaten gesammelt worden: Im Freundes- und Bekanntenkreis, in der Familie und in der Nachbarschaft, und auch der private und viel zu umfangreiche Buchbestand wurde in den Wintermonaten gründlich auf Verzichtbares durchforstet. Hinzu kommen Dubletten aus Bücherspenden, die nicht dem Lötzener Buchbestand zugeordnet werden konnten. So ist wieder eine bunte Mischung zusammengekommen: Sachbücher, vor allem zu geschichtlichen und heimatkundlichen Themen, aber auch über Kunst und Religion, finden sich neben Belletristik, von Klassikerausgaben über Lyrik hin zu Kinderbüchern. Das älteste Buch, das dieses Mal angeboten wird, wurde 1838 gedruckt: „Der Cavalier auf Reisen im Jahr 1837“! Die jüngsten Bücher sind Taschenbücher, die im vergangenen Jahr erschienen sind. Alle Bücher sind in einem neuwertigen Zustand! Nur diejenigen, die bereits Jahrzehnte alt sind, tragen mitunter altersbedingte Abnutzungsspuren. Die Mehrzahl der Bücher wird – hoffentlich – für wenig Geld den Besitzer wechseln; nur im Ausnahmefall wird für besonders gestaltete oder seltene Bücher der Betrag von vier oder fünf Euro erbeten. Der Erlös der Buchmarktes kommt der Museumsarbeit zugute. Der Lötzener Ausstellungs- und Veranstaltungsraum ist an diesem Sonnabend bis 16 Uhr geöffnet. Den Besuchern bietet sich ein letztes Mal die Gelegenheit, die Kunstwerke der Sonderausstellung „Weite und Heimlichkeit – die Landschaft Masurens in Werken ostpreußischer Künstler“  (überwiegend Leihgaben des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg) zu betrachten.
 

Thema #6:
Masuren - Weite und Heimlichkeit
Die Landschaft Masurens in Werken ostpreußischer Künstler im Heimatmuseum

„Im Süden Ostpreußens, zwischen Torfmooren und sandiger Öde, zwischen verborgenen Seen und Kiefernwäldern waren wir Masuren zu Hause“, so beginnt Siegfried Lenz seine „Diskrete Auskunft über Masuren“, seine Heimat.
Erst spät wurde die Landschaft Masurens von Künstlern entdeckt, lange nach den Gegenden der samländischen Steilküste oder der dünenreichen Kurischen Nehrung. Masuren, vom Zentrum Ostpreußens, Königsberg, entfernter gelegen und auch nicht so gut erreichbar, kam erst mit den Kämpfen zu Beginn des Ersten Weltkriegs, 1914 und 1915, in das allgemeine Bewußtsein. Diese und die Volksabstimmung nach dem Versailler Vertrag 1920 ließen in der Folge den Reiseverkehr in den Süden und Südosten Ostpreußens zunehmen. Heute ist Masuren ein beliebtes Touristenziel, das manchem vielleicht sogar gleichbedeutend für ganz Ostpreußen steht.
Mit der „Entdeckung Masurens“ in den 1920er Jahren wurden auch einige Künstler in diesem Landstrich seßhaft. Der in Salpia (Kreis Sensburg) 1887 geborene Robert Hoffmann (-Salpia) war als Lehrer 1925-1945 in Seedranken (Kreis Treuburg) tätig, der aus Köln gebürtige Julius Freymuth (1881-1961) lebte in den Jahren um 1925-27 in Froniken (Kreis Treuburg), der aus Johannisburg gebürtige Maler Ernst Rimmek (1890-1963) lebte und arbeitete in Jakunowken (Kreis Lötzen) 1929-37. In Widminnen, Kreis Lötzen, war bis 1945 der Bildhauer Paul Koralus (1892-1991) zu Hause, von dem in dieser Ausstellung einige Skizzen und Pastelle zu sehen sind. Der seit 1955 als Kunstpädagoge in Weimar tätige Gerhard Wendenhorst (1922-2008) blieb der Heimat seiner Jugendjahre im Kreis Angerburg auch als Maler zeitlebens eng verbunden.
Die vor dem Zweiten Weltkrieg in Masuren tätigen Maler waren fast alle an der Königsberger Kunstakademie ausgebildet worden. Sie zogen von dort andere Künstler mit in die charakteristische Landschaft Masurens. Hier fand sich zwar nicht die Fülle an dramatischen Motiven wie z. B. die größten Dünen Europas auf der Kurischen Nehrung oder die hohe Steilküste des Samlandes. Doch wußten die Maler die idyllische Besonderheit der Felder, Seen und Wälder zu schätzen und in ihren Werken festzuhalten. Sie bildeten auch die Bauern und ihre Arbeit, das Vieh und den
Anblick der Dörfer ab.
So sind außer den bisher genannten Künstlern in der für diese Ausstellung vorgenommenen Zusammenstellung auch Eduard Bischoff, Robert Budzinski, Artur Degner, Karl Kunz, Oskar Gawell, Ottilie Ehlers-Kollwitz, R. H. Krauskopf und Bruno Ludat vertreten. Von Prof. Carl Scherres stammt das in seiner Stimmung an Caspar David Friedrich erinnernde Motiv „Masurische Seenlandschaft im Mondlicht“, das auch für das Ausstellungsplakat ausgewählt wurde. Alle Werke (bis auf Koralus aus dem Bestand der Lötzener Heimatsammlung) sind Leihgaben aus dem Ostpreußischen Landesmuseum, Lüneburg.
Den Besucher erwarten Bilder aus der Vergangenheit, die jedoch überwiegend das nicht Vergangene, das Unvergängliche abbilden: „Masurische Landschaft“, „Masurischer See“, „Häuser am Masurensee“, „Regen über Lyck“, „Niedersee“, Treuburger See“, „Bunelka – Landschaft bei Lyck“, Lötzen mit Schloß und Kanal“, „Dorf in Masuren“ … so einige der Bildtitel. Es werden Ölgemälde, Aquarelle, Grafiken und Zeichnungen ausgestellt aus einer Zeitspanne, die nahezu 100 Jahre umfaßt.
Zur Einstimmung in die Thematik mag die lyrisch-wortmalende Landschaftsbeschreibung dienen, die Eugen Kurt Fischer, Redakteur der Hartungschen Zeitung in Königsberg, 1927 in der Einleitung zu einem Band Masuren-Zeichnungen von Julius Freymuth formulierte:
„Zart umkantet ragt auf welligem Hügel hinter dem Dorf eine Mühle mit weitgebreiteten Flügeln, ohne Regung, schwarzbauchig im Licht und darüber taucht aus dem bläulichen Schimmer weiß die Sichel des Monds. Drüben am anderen Ufer heben sich rundliche Hügel im Schatten, braun und in rötlichem Blau, tief dunkel umkantet, die Bäume olivgrün. Weiß, gelb, rot, so glühten die Dörfer im sinkenden Leuchten. Und dem gewendeten Blick bot sich der schwärzliche Wald, dunkle Borte, sonnübergoldet. Aber der Himmel färbte sich leis in vielerlei Farben, Rotblau verhauchte in Grün, aus dem das lichte Gelb wuchs und im Nichts sich verlor. Senkte sich wieder der Blick, so glitt er über ein Eiland, dicht voll Erlen und Weiden, von Schilfrohr ringsher umstanden, und ein Ruderer trieb den selbstgezimmerten Einbaum her vom Dorfe dem immer satteren Licht zu.“    
                                                                                                                                                           Jörn Barfod, Ute Eichler

Ausstellungseröffnung am 19. März 2016 um 15.30 Uhr.